STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 09/04 vom 25.02.2004

Der Anfang allein hätte eine pointierte Kurzkomödie abgegeben: Eine junge Frau (Ludivine Sagnier) borgt sich auf der Straße von einer anderen (Pascale Bussières) Lippenstift und Haarbürste, schnorrt sich eine Zigarette - gegen die Nervosität? Sie habe jetzt ein wichtiges Rendezvous. Erst allmählich stellt sich heraus, dass die beiden neben den Kosmetika auch den Mann teilen - und irgendwie passt das ja auch, schließlich ist Bruno Politiker der kommunistischen Partei. Das Problem an Pascal Bonitzers "Kleine Wunden" ("Petites Coupures") ist nur, dass es nach dieser Szene noch anderthalb Stunden weitergeht. Und die sind weniger als leichtfüßig: Im Zentrum steht nun der Midlife-Crisis-geschüttelte Bruno, verkörpert von Daniel Auteuil. Warum dieser Schwachmat von den schönsten Frauen umworben wird, bleibt mysteriös. Ebenso der Plot, der sich von einem hysterischen Minidrama zum nächsten schleppt und böse endet: mit einem Vollbart und auf dem Friedhof.

  Temporeicher ist da schon "21 Gramm", das neue Ensembledrama des Mexikaners Alejandro González Iñárritu, dem seit "Amores Perros" (2000) in Hollywood Tür und Tor offen stehen. Und alle, alle sind dabei: Sean Penn als Collegeprofessor, der auf eine Herztransplantation hofft, Charlotte Gainsbourg als dessen Frau, die noch schnell die künstliche Befruchtung durchziehen will, Naomi Watts als Hausfrau und Benicio del Toro als Ex-Knacki, der jenen Autounfall verursacht, der die Schicksale aller verknüpft. Mit der simplen "It's a dog's world"-Message von "Amores Perros" will sich der Regisseur hier nicht mehr begnügen und liefert stattdessen einen halbphilosophischen, New Age-o-philen Subtext: Wie viel wiegt die Seele? Antwort: 21 Gramm, so viel wie ein kleiner Schokoriegel. Naja.


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