KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 09/04 vom 25.02.2004

Wenn die Sammlung Essl eine Ausstellung mit dem Titel "Neue Wilde" (bis 21.3.) ankündigt, dann erwartet man sich einen zumindest kursorischen Überblick über die virile Malereiströmung der Achtzigerjahre. Die aktuelle Schau hat aber einen Haken: "Eine Entwicklung" lautet der Untertitel, und das bedeutet im konkreten Fall, dass Maler wie Siegfried Anzinger, Alois Mosbacher oder Herbert Brandl vor allem mit (übrigens interessanten) Bildern aus den letzten Jahren vertreten sind. Nach dem aktuellen Malstil zu schließen, muss den Künstlern das expressionistische Label schon gründlich zum Hals raushängen; im Katalog firmiert die gewinnbringende Flachware dann noch schlimmer unter "postmoderner Malerei". Bei vielen der gezeigten Positionen wäre ein Einblick in deren historische Veränderungen interessant, den die Schau von Essl-Werken aber leider nicht vermittelt.

  Da hat es schon leichter, wer seinem Stil treu bleibt. So zu sehen in der Ausstellung "Hollegha", die parallel zu den "Neuen Wilden" ebenfalls in der Sammlung Essl zu sehen ist (bis 18.4.). Zum 75. Geburtstag von Wolfgang Hollegha werden Bilder von 1977 bis 2002 gezeigt. Die Überraschung: Die riesigen Formate sehen aus, als wären sie alle in einer einzigen Woche gemalt worden. Hollegha kommt das Verdienst zu, im Wien der Fünfzigerjahre die Abstraktion vorangetrieben zu haben. Gefördert durch den Kunstkritiker Clement Greenberg nahm er früh an Ausstellungen in New York teil. In der ausstellungstechnisch ungemein schwierigen Halle neben dem Museumscafé erinnern Holleghas Farbflecken auf weißem Leinwandgrund, die über den ganzen Raum verteilt wurden, ein wenig an Resten von alten Tapeten oder Werbeplakaten.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige