STADTRAND

Publikum von morgen

Stadtleben | aus FALTER 09/04 vom 25.02.2004

Wenn sich Sechsjährige im Kino bei "Herr der Ringe III" vor Angst in die Hosen machen, dann ist das Sache des Kinobesitzers (der ja eigentlich erst Zuschauer ab 14 Jahren reinlassen darf und halt gegebenenfalls die Sitze reinigen muss) beziehungsweise der Eltern (die mit dem albträumenden Nachwuchs später zurechtkommen müssen). Aber Sechsjährige stören wenigstens nicht im Zuschauerraum. Ganz im Gegensatz zu jenen Kinderbesitzern, die neuerdings sehr winzige Kinder in sehr anstrengende Theatervorstellungen mitnehmen. Solche Leute verlassen nämlich mit ihren Babys auch dann nicht die Vorstellung, wenn diese nicht mehr nur wimmern, sondern bereits lautstark brüllen. Gibt's denn kein Kinderverbot im Theater? Wieso kommen manche Eltern auf die Idee, ein zehn Monate alter Säugling interessiert sich für ein blutrünstiges und lautes Stück Tanztheater? Und werden in Theatern bald Wickeltische installiert? Das Publikum von morgen gehört doch echt nicht in Filme, die nicht jugendfrei sind, oder ins Erwachsenentheater. Kleine Leute gehören zu Kasperl und Pezi, wo sie nach Herzenslust brüllen dürfen. Oder ins Votiv-Kino. Dort ist nämlich dienstags um 11 Uhr "Kinovormittag für Eltern mit Säuglingen": Mit leisem Sound und gedämpftem Licht. Alles andere ist Unfug. C. W.


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