Herzlos aus Tradition

RAIMUND LÖW | Vorwort | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

AUSLAND Die Beziehungen der USA zu Haiti: vom "nation building" unter Clinton zur Polizeiaktion unter Bush. 

Die unverblümteste Aussage kam vom Präsidenten selbst. Die amerikanischen Behörden hätten den Auftrag, alles zu tun, um zu verhindern, dass Flüchtlinge aus Haiti "unsere Küsten" erreichen. Selbst Chaos und Bürgerkrieg im benachbarten Armenhaus der westlichen Hemisphäre würden an seiner Entschlossenheit zum Schutz der Grenzen nichts ändern. Herzlosigkeit mit Tradition, wohl bekannt auch aus anderen Breitengraden. Als Anfang der Neunzigerjahre Tausende Haitianer flohen, weil zu den Schrecken der Armut auch noch der Horror einer Militärdiktatur gekommen war, da brachte die Coast-Guard die Schiffbrüchigen nach Guantanamo, um den Flüchtlingsstrom nur ja von Florida fern zu halten. Vorsorglich werden auch jetzt neben dem ominösen Terroristen-Gefangenenlager des Pentagon Flüchtlingsbaracken errichtet. Und dass der Befehl zum Einsatz für die Marines in Richtung Karibik mehr

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