STANDPUNKT

Tierfabriksgesetz

Politik | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

Die Österreicher mag es ärgern, dass ÖVP und FPÖ das Wahlversprechen Bundestierschutzgesetz bislang nicht eingelöst haben. Schwein, Rind und Huhn können sich aber freuen, dass sie nicht einheitlich geschützt werden. Was die ÖVP als "Schutz"-Gesetz vorschlägt, liegt weit hinter dem schlechtesten Landesgesetz und ist de facto ein Hilfsgesetz für Tierfabriken. Keine Forderung aus dem Tierschutz-Volksbegehren wurde erfüllt. Legebatterien, in denen Zehntausende Hühner dahinvegetieren, sollen laut diesem Gesetz, das am Widerstand der FPÖ gescheitert ist, ab 2008 mit einer Sitzstange und einem Mini-Nest "möbliert", nicht aber verboten werden. Und das, obwohl die Österreicher diese Tierhaltung ablehnen. Milchkühe sollen laut schwarzem Vorschlag das ganze Leben lang angebunden bleiben dürfen, und in der Schweine- und Rindermast schreibt der Staat den Bauern nicht einmal vor, Stroh auf den Boden zu legen. Schächten, das von Islam und Judentum vorgeschriebene rituelle Schlachten, will die FPÖ abschaffen, die ÖVP verweigert dies unter Hinweis auf die Religionsfreiheit. Wer einmal einen Schlachthof gesehen hat, muss sich fragen, wieso freiheitliche Politiker so sehr zwischen "normalem" Akkord-Töten und Schächten unterscheiden. Wenn sich nichts ändert, müssen Österreichs Tiere tatsächlich froh sein, dass sich ÖVP und FPÖ auch künftig nicht auf ein bundesweites Tierschutzgesetz einigen. N. H.


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