FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

Die Oscar-Show war wieder einmal eine echte Niederlage. Nicht nur, dass die nervige Material- und Hobbitschlacht "Herr der Ringe" elf Oskars abräumte und "Lost in Translation" nur einen bekam, nein, es war auch die Nacht einer ganz persönlichen Niederlage. Sean Penn, früher ein bezaubernd störrischer, unbequemer und cooler Kerl, ein Querschläger in Hollywood, kriegte endlich seinen ersten Oscar - für die Hauptrolle in "Mystic River" - verpasst und war nichts als abgeklärt, freundlich und milde. Bedankte sich in seiner Rede bei Mom, Dad und Ehefrau, dann machte der deklarierte Bush- und Irakkrieggegner noch einen kleinen launigen Scherz darüber, dass es keine Atomwaffen im Irak gibt, und ging mit einem müden Blick ab. Keine Spur von dem wüsten Furor, den er noch in "Mystic River" verströmt hat. Altersmilde würde ich so was nennen, und es erschreckt einen, dass ein Typ wie Penn mit 43 schon so fertig ist. Hollywood hat Sean gebrochen, das werd ich denen nie verzeihen. Einziger guter Gag des faden Oscar-Abends war dann eine kurze Filmzuspielung, in der sich Michael Moore selber verarschte und "Shame on you, Hobbits!" brüllte. Nicht mal das kriegt Sean noch zusammen.


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