CAUSA GRÜNBERGER

Nur ein Hirngespinst?

Medien | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

Für Gerald Grünberger ist alles ein Rätsel. "Ich kann nicht nachvollziehen, woher die Gerüchte über meinen Wechsel kamen", beteuert er im Kurier vom vergangenen Samstag: "Ich werde mich nicht bewerben und hatte das nie vor."

  Seit einem halben Jahr wird das Gegenteil kolportiert: Der ÖVP-Mann Grünberger soll als Aufpasser in den ORF wechseln. Alles nur der Fantasie hysterischer Oppositionspolitiker und Redakteure entsprungen? "Die Causa Grünberger war zweifellos kein Hirngespinst", sagt Redakteursrat Fritz Wendl. "Warum hat Grünberger nicht schon früher dementiert, wenn er sich angeblich nie bewerben wollte?"

  Grünberger leitet das Büro von Staatssekretär Morak, bastelte am ORF-Gesetz und hat einen guten Draht zum schwarzen Medien-Mastermind Wilhelm Molterer. Überdies ist der 34-Jährige stellvertretender Obmann der ÖVP Ottakring, als Bezirksrat trat er im Jänner zurück. "Aufgrund neuer beruflicher Herausforderungen", meldete die Homepage der Bezirkspartei kryptisch.

  Grünbergers Absage kam spät. Am 4. März endet die Bewerbungsfrist für jenen seltsamen Posten "LeiterIn Funktionsgruppe Strukturplanung", den der ORF ausgeschrieben hat. Die Job-Description ist verworren: Einerseits wird ein Redakteur gesucht, andererseits beinhaltet die Aufgabenstellung keinerlei journalistische Tätigkeiten. Dahinter könnte ein Trick stecken: Wird ein etabliertes Arbeitsbild - wie jenes des Redakteurs - verwendet, muss der Posten nicht vom Stiftungsrat abgesegnet werden.

  Es wird sich zeigen, ob der ORF für den Posten nun jemand anderen findet - oder ihn gar nicht besetzt. Redakteurssprecher Fritz Wendl ist erst einmal zufrieden: "Es hat sich erwiesen, dass auf politischen Zuruf nicht einfach Posten mit Leuten besetzt werden, die für den ORF nichts anderes als ihr Parteibuch qualifiziert."


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