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Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

Der steirische Kabarettist Christian Hölbling, 32, ist seit zwölf Jahren im Geschäft und hat vor vier Jahren eine neue (Bühnen-)Identität angenommen. Helfried heißt die denkbar unvorteilhafte Kunstfigur, in deren Haut Hölbling jetzt schon das zweite Soloprogramm bestreitet: "Helfried heiratet" läuft derzeit im Kabarett Niedermair (bis 6.3.) und erzählt von den Hochzeitsvorbereitungen eines Super-Nerds (uncooler Anzug, unsympathische Hornbrillen, unangenehme Artikulation). Der Typ lebt immer noch mit seiner Tante Hedwig zusammen, sein einziger Freund heißt Ing. Magenschab, und seine große Leidenschaft gehört der Koleopterologie vulgo Käferkunde. Mit beeindruckender Konsequenz hält Hölbling alias Helfried seine Rolle durch, was bei der wuchtelmäßig stark unterversorgten Kabarettplebs im Publikum zunehmend für Unmut sorgt. Aber auch für Liebhaber des Antikabaretts ist der Abend nur bedingt zu empfehlen, weil der Text dafür einfach nicht gut genug ist. Großartig allerdings, wenn Helfried sehr falsch und sehr laut "Ave Maria" singt - und beim "Amen" zur Melodie von "Child in Time" wechselt.

  Deutlich orthodoxer geht es bei Steffi Paschke (zuletzt Kabarett Simpl) und Herbert Haider (bekannt als Hälfte von "Peda & Peda") zu, die in der Kulisse ihr erstes gemeinsames Programm "Intim" (bis 21.3. jeden So) zeigen. Das Thema (Mann-Frau-Beziehung) ist ebenso wenig originell wie die Form (Nummernkabarett mit Gesang). Aber weil die beiden sehr gut spielen (Höhepunkt: Herbert Haider als sexuell abgeklärte Greisin) und einige Nummern dann doch ziemlich überraschend gebaut sind, ist das trotzdem ein guter Kabarettabend. Beste Musiknummer: die Kiss-Coverversion "Ich bin gemacht, um Liebe zu machen".


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