Osama in den Bäumen

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

FILM "Osama", der erste afghanische Spielfilm nach Ende der Talibanherrschaft, fasst eine Epoche der Angst in starke Bilder. 

Rüttelnd wird eine Kamera durch die sandigen, steinübersäten Straßen Kabuls getragen, sie zeigt ein Meer von blauen Burkas, Frauen, die laut ihr Recht auf Arbeit fordern. Sie zeigt einen schmutzigen Buben, der um einen Dollar bettelt; die Hand des Kameramannes schiebt sich mit dem Schein nach vorn; Talibanmilizen kommen ins Bild, Knüppel werden geschwungen. Dann fällt die Kamera auf den Boden.

  Szenen aus "Osama", einem Spielfilm, der sich mitunter den dokumentarischen Gestus der hektischen Mittendrin-Kriegsberichterstattung von CNN aneignet; der in diesen Momenten jenen oberflächlich involvierten, journalistischen Blick einnimmt, der mit dem Abstand zum Geschehen eine gewisse Sicherheit suggeriert, nur um diesen Eindruck am Ende brutal zu demontieren: Der Kameramann wird von einem Mullah-Gericht zum Tode verurteilt und erschossen.

  Siddiq Barmaks "Osama",


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