STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

Naturfilme sind im Fernsehen ein echter Renner. Seltener gelangen sie hingegen - außerhalb des IMAX-Formats - in die Kinos, obgleich die Produktionskosten für eine aufwendige BBC-Dokumentation nicht selten die eines Kinodokumentarfilms überschreiten. Mit "Deep Blue" kommt nun aber doch ein Unterwasserfilm in die heimischen Kinos kommt. Aus den Unmengen an Material, das die Filmemacher Alastair Fothergill und Andy Byatt für die Serie "Blue Planet" zusammengetragen hatten, entstand ein abendfüllender Streifzug durch die Weltmeere. An spektakulären Aufnahmen mangelt es nicht, wiewohl die eindrücklichste Sequenz - ein Abstieg in die wüste, finstre Welt der Tiefsee - zum Teil aus Trickaufnahmen, vor allem aber aus stockdunkler Schwärze besteht. Erzählerisch scheitert "Deep Blue" allerdings auf ganzer Linie: Der Informationswert, im Fernsehen oft gar zu aufdringlich platziert, tendiert gegen null. Dafür ist der permanente Einsatz von Musik, der die erhabene Wucht der Meeresweiten pathetisch verdoppelt, umso ärgerlicher. Der Gesamteindruck bleibt also - bei aller audiovisueller Opulenz - zwiespältig: "Deep Blue" steht zumindest marketingtechnisch im Dienste der Ökologie, ohne diesen Auftrag im Mindesten zu reflektieren; gewidmet ist sein Kinostart dem Tauchfilmpionier Hans Hass, ohne dass der Mensch, geschweige denn die technische Eroberung des feuchten Elements, im Film vorkämen: Alles ist Naturgewalt - so will es zumindest "Deep Blue".

  No risk, no gain. Zu dieser einfachen Schlussfolgerung blödelt sich auch "... und dann kam Polly", die erste von gleich vier neuen Komödien mit Ben Stiller in der Hauptrolle, über die Leinwand. Inszeniert von "Meet the Parents"-Autor John Hamburg greift die romantische Komödie Themen und Motive aus früheren Stiller-Vehikeln (unter anderen "There's Something About Mary") auf, ohne dass die Chemie zwischen Stillers risikoscheuem Neurotiker mit Magenverstimmung und den Frauen (allen voran Jennifer Aniston) annähernd stimmen würde.


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