OHREN AUF! Polen & die Ewigkeit

Kultur | CARSTEN FASTNER | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

Mit den verwehten Impressionismus-Vorahnungen der Mazurka op. 59/1 gleitet Piotr Anderszewski sanft in sein neues Album mit Klaviermusik von Frédéric Chopin (EMI). Fünf weitere Mazurken (aus op. 59 und 63), zwei Balladen (op. 47 und 52) sowie die Polonaise op. 44/5 lässt er folgen, ehe er mit der "Polonaise héroïque" - jenem Zirkusstück, auf das schon bei Horowitz und Rubinstein alle gebannt gewartet haben - den späten Höhepunkt seines ansonsten eher ruhig angelegten Programms meistert, um mit einer weiteren Mazurka (op. 68/4) wieder ganz gelassen auszuklingen.

Wie Chopin wurde auch Anderszewski in Polen geboren (1969), lebt aber in Frankreich. Kein Wunder also, dass die Beschäftigung mit seinem Landsmann lange schon von ihm erwartet wurde. Sein atemberaubendes Major-Debüt mit Beethovens "Diabelli-Variationen" (2001) zeigte ihn bereits als messerscharfen strukturellen Denker, mit Klavierkonzerten von Mozart bewies er feinen Sinn für den Klang, und mit drei Partiten von Bach empfahl


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