Ein Vater verschwindet

Kultur | JÖRG MAGENAU | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

LITERATUR Urs Widmer erzählt in "Das Buch des Vaters" ein Märchen am Rande des Realen. 

Dass der Vater Kommunist war, erfährt man gleich im ersten Satz. Als ob damit etwas gesagt wäre. Zumal: Er war es nicht immer. Eigentlich nur für ein paar Jahre. Und das eher zufällig und nebenbei und ohne die nötige Gesinnungserbitterung. "Genossen!", rief er bei seinem einzigen Auftritt als Politredner - und das war auch schon das ganze Programm. Sein Kommunismus bestand vorzugsweise darin, im Kreis der im sommerlich blühenden Garten versammelten Freunde Weine zu verkosten.

  So lobt man sich das Kollektiv. Und doch hat der Schweizer Autor Urs Widmer in "Das Buch des Vaters" die politische Katastrophengeschichte des 20. Jahrhunderts versteckt, die vom Besuch des deutschen Kaisers in der Schweiz über Faschismus und Krieg bis in die antikommunistische Nachkriegszeit reicht. Einige sehr wirkliche Figuren tauchen dann im Garten des Vaters auf: Die Verleger Witsch und Winkler und ein unbekannter


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