NÜCHTERN BETRACHTET

Weinglasschwenkergeschwätz

Kultur | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

Es ist nicht gerade so, dass ich all den Genusstrotteln, die mit Freunden den ästhetischen Imperativen einer Modeindustrie folgen, denen sich Jörg Haider schon zwei Monate zuvor unterworfen hat, gesteigerte Sympathie entgegenbrächte, aber mein eigenes Suchtpotenzial treibt mich immer wieder an Orte, wo ich mich ihnen gemein mache. Man muss in diesen Belangen von eitler Selbstsentimentalisierung Abstand nehmen und sich der Einsicht beugen, dass man irgendwie zu denen gehört. Schließlich ist es relativ unerheblich, ob man das viele schöne Geld, das sich in den Taschen ballt, für kubanische Zigarren, katalanische Designershirts, kirgisische Tagesmütter oder kalifornischen Wein ausgibt. Aber auch wenn der Dramatisierung von Lebensstildifferenzen innerhalb benachbarter Einkommensklassen ein Riegel vorgeschoben werden muss, soll man auf ein angewidertes Anheben der Augenbraue keineswegs verzichten, wenn Tischnachbarn ungebremst Unfug treiben. Ab und an etwa besuche ich ein - in Hinblick


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