PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Die Demonstration des Monsters

Stadtleben | aus FALTER 10/04 vom 03.03.2004

... Bei Sonnenuntergang fiel auf Abraham ein tiefer Schlaf, große unheimliche Angst überfiel ihn. Die Sonne war untergegangen, und es war dunkel geworden. Niemand bewachte den Wurstkessel nun. Auf einmal waren ein rauchender Ofen und eine lodernde Fackel da; sie fuhren zwischen den Fleischstücken hindurch ...

Gen 15,5-12.17-18 (1. Lesung am 2. Fastensonntag eines Lesejahres C)

Es ist soweit, ich will nur noch Zug fahren! Die Augen fest zudrücken und spüren, wie es gleitet. Die Menschheit hat wunderbare Bahnstrecken gebaut. Auch jetzt liege ich im Bett und notiere diese Zeilen - nachdem ich den Block vom Nachtkastl genommen, den Kuli und die Augen dabei geschlossen gehalten habe -, kritzle alles blind hin. Ohne mehr eine Sicherheit zu haben, ob der Kuli schreibt, also noch feuchte Tinte enthält, das Papier noch Saugkraft besitzt und also diese Zeilen dastehen jetzt. Mein Filmproduzent rief zehn Minuten vor zwölf Uhr an, und als ich ihm sagte, ich müsse spätestens um vier Uhr den Zug nach Graz erwischen, wollte er mich unbedingt zum Zug fahren. Ich solle im Wirtshaus ein Gulasch und ein Salzstangerl aufbewahren für ihn. Er käme gleich und wolle es essen und mich dann zum Südbahnhof fahren. Nach zwei Stunden wagte ich, ihn anzurufen. Gleich, sofort bin ich bei Ihnen, Herr Phettberg, schoss es aus dem Handy heraus. Halten Sie mir mein Gulasch warm. Und retten Sie bitte unbedingt mein Salzstangerl. Noch ein paar Mal rief ich an, und immer schoss der Produzent eine so überzeugende Sofortmeldung, dass ich es bis heute nicht fassen kann, dass das nicht ernst gemeint gewesen sein konnte. Und die Bedrängnis des Produzenten so groß gewesen wäre. Doch der Produzent kam nicht, ich musste dann mit dem Taxi fahren, wiewohl ich so viele Stunden vorher mich bereits zurüstete, mit dem 18er zum Südbahnhof gemütlich zu reisen, um mir dann den geeignetsten Speisewagen in Ruhe auszusuchen, um dort nach Süden zu reisen. Und als ich fünf Minuten vor vier im noch ruhenden Zug schon saß, rief der Filmproduzent an dann, sicher, um mich zu verhöhnen. Abraham ist es besser gegangen. Es sollen Jeansboys erschienen sein. Mir erscheinen sie nie.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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