VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 11/04 vom 10.03.2004

Unsere Vorankündigungen hatten ein gewissen Charme, das muss man zugeben. Als wir den Menschen draußen eine für uns epochale Innovation gaben, die geheftete, mit Hochglanzumschlag versehene und im A4-Format erscheinende Programmbeilage HEFT, da begleiteten wir sie mit folgenden Worten: "Es ist so weit. Sagen wir. Sie sagen: Net scho wieder. Wir sind stolz auf HEFT. HEFT interessiert Sie kaum. Wir schließen die zweite Etappe unserer Umstrukturierung ab. Ihnen war schon die erste im Herbst 83 zu viel. Wir sagen: Da hat der Falter an Substanz gewonnen. Sie haben nichts bemerkt, außer dass das Papier schlechter wurde. Jetzt heben Sie die Augenbraue. HEFT? Ja, HEFT, eifern wir voller Begeisterung. Sie sind natürlich ein Leser, gehen kaum aus, und wenn, wissen Sie auch ohne den Falter, wohin. Sie sind ja kein Kind mehr. Gut, aber das Fernsehprogramm müssen Sie irgendwoher nehmen. Oder wollen Sie Tageszeitungen kaufen, Programmzeitschriften mit allen Arten Schweinchen Schlau am Cover?(Keine Ahnung, was wir damit meinten, A. T.) Wir bieten Ihnen zwei Wochen Übersicht, nicht bloß eine oder nur einen Tag, und außerdem noch Radio und Kabel-TV. Gut, Sie sind kein Fernseher und Kabel-TV, das ist nur ein weiterer Schritt in jene Kommerzialisierung, in der der Falter schon mittendrin steckt. Und zwei Wochen, was soll daran neu sein? So leicht entmutigt man uns nicht. Das Erreichte sichern!" So schrieben wir und schrieben wir. Und hätte man uns weiterschreiben lassen, wäre aus uns ein Produkt der Fellner-Brothers geworden, ein besseres TV-Media. Dass das nicht geschehen ist, dafür sei all jenen unter Ihnen gedankt, deren Einwänden wir schon damals in vorauseilendem Gehorsam entsprachen. A. T.


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