Woge von Narzissmus

Vorwort | PAULUS HOCHGATTERER | aus FALTER 11/04 vom 10.03.2004

KOMMENTAR Die Muehl-Retrospektive im Museum für angewandte Kunst zeigt, wie Größenwahn zur Belanglosigkeit führt. 

Ein Gutes besitzt die Otto-Muehl-Ausstellung im MAK ohne Zweifel: Man hat auch mit Leuten etwas zu reden, an denen man ansonsten beschleunigten Schrittes vorübergehen würde, weil man sich zum Beispiel mit der Beziehung Kants zur Religion nicht auskennt. Mit Alt-68ern spricht man bei dieser Gelegenheit über den Ausbruch aus der sexuellen Zwangsmoral mithilfe von Gruppenmarathons und experimentellem Psychedelikagebrauch, außerdem darüber, dass doch auch Wilhelm Reich ein ziemlich erbärmliches Ende fand; mit Szene-Insidern darüber, was Peter Noever und Otto Muehl gemeinsam haben; mit Psychoanalytikern über dasselbe oder über die Rolle des Phallus als narzisstische, das heißt, im Grunde prägenitale, Partialrepräsentanz des eigenen Selbst bei Menschen mit bestimmten Persönlichkeitsstörungen.

Mit Jugendlichen schließlich - und dabei ist man eindeutig am entspanntesten


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