Kommentar

Affäre Muehl: Peter und der Wolf

Kultur | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 11/04 vom 10.03.2004

Zwei Mitspieler im zeitlosen Match Wiener Aktionismus gegen Österreich fehlen diesmal. Die politische Rechte, die im Zusammenspiel mit der Boulevardpresse und der Justiz seit den ersten Skandalen Mitte der Sechzigerjahre die Spirale Kunst versus Repression auf ein einzigartig reaktionäres Niveau heruntergeschraubt hat; und der Hauptdarsteller selbst: der 79-jährige Otto Muehl, der es vorzog, der Eröffnung seiner Retrospektive im Museum für angewandte Kunst (MAK) fern zu bleiben. Daher verlief die Diskussion diesmal auch ohne reflexhafte Lagerbildung: Die Freiheit der Kunst musste nicht gegen das gesunde Volksempfinden verteidigt werden.

In den Vordergrund rückten zwei andere Themen: die Qualität von Muehls Kunst und die Rolle des MAK-Direktors Peter Noever. So ziemlich alle Zeitungen äußerten sich abfällig über Muehls postaktionistisches Werk. Die Hauptvorwürfe lauten "Polyepigonalität" (siehe Kommentar von Paulus Hochgatterer auf Seite 6) und Dilettantismus - wobei meist vergessen


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