KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 11/04 vom 10.03.2004

Es wurde in den letzten Jahren immer wieder die Existenz einer globalen Jugendkultur behauptet, einer uniformen Masse von Kids, die denselben Pop hört und dieselben Sneaker trägt. Die Fotos von Marcelo Perocco, die in einer schönen Ausstellung zum Thema "Adoleszenz" in der Fotogalerie Wien (bis 31.3.) hängen, erhärten diese These: Die teils im Stil der "Street Photography", teils in Porträtaufnahmen festgehaltenen Teenager könnten in Skopje ebenso daheim sein wie in Berlin oder London. Einzig an einer U-Bahn-Tür wird Wien als ihr Skateboardareal erkennbar. Perocco setzt auf kräftige Farben sowie eine Mischung aus Zufall und Pose. Ganz anders die Schwarz-Weiß-Aufnahmen des Fotografen Evgeni Mokhorev: Hier ist er wieder, der begehrliche Blick auf die unverbrauchten Körper, der Knaben zu Adonissen stilisiert und sich den Exhibitionismus junger Mädchen zunutze macht. Die Information, dass der 1967 geborene Sankt Petersburger ausschließlich Straßenkinder fotografiert, macht den ästhetischen Genuss der Bilder noch ambivalenter.

  Larry Clarks Fotos einer auf Sex, Drogen und Waffen fixierten US-Jugend und Wolfgang Tillmans Porträt der Generation Techno bedienten in den letzten zwei Jahrzehnten die Sehnsucht nach einer exzessiven, antibürgerlichen Lebensphase. Entgegen einem solchen Authentizitätsanspruch legen die neben Perocco und Mokhorev gezeigten Arbeiten ihr Augenmerk ganz auf die Inszenierung. Annabel Elgar gelingen so romantische Tableaus einer Latenzzeit, in der Kussszenen und kindliche Neugierde nur angedeutet werden. Berührend wirkt die Polaroidserie "Little Boy" des ehemaligen Modefotografen Steven Tynan: Anstatt weiter Celebrities für The Face & Co abzulichten, porträtierte sich der Brite selbst - als dicken, großen, scheuen Buben.


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