STREIFENWEISE

Kultur | KLAUS NÜCHTERN, MICHAEL OMASTA | aus FALTER 11/04 vom 10.03.2004

Matt Lee Whitlock (Denzel Washington), Polizeichef des Küstenkaffs Banyan Key in Florida, hat 480.000 Dollar Drogengeld im Safe gebunkert und eine Geliebte mit Krebs im Endstadium, die mit einem übellaunigen Schläger verheiratet ist. Was liegt näher, als der Freundin das Geld zu borgen und sich in vorhersehbare Schwierigkeiten zu bringen - vor allem, weil diese dann auch noch eines unnatürlichen Todes stirbt. Darüber hinaus ermittelt auch noch Whitlocks in Scheidung befindliche Frau (Eva Mendes) in dem Fall ... Carl Franklins "Out of Time" braucht eine lange halbe Stunde, um die Ausgangssituation zu etablieren und weitere 76 Minuten, um seinen Protagonisten auf denkbar uninspirierte Weise in die Mangel dieses Komplott-Plots zu nehmen, die Spreu (unglamouröse bad guys) vom Weizen zu trennen und eines der langweiligsten Liebespaare der jüngeren Filmgeschichte wieder in den Hafen der Ehe zu manövrieren. Was in Erinnerung bleiben wird? Dass sich Denzel Washington das Shirt nicht in die Bermudas stopfen sollte. Es sieht total scheiße aus.

  Neue und neueste Filme aus Frankreich, Kanada, Belgien, Rumänien, Burkina Faso und der Schweiz bringt das Festival du film francophone (bis 25.3.) nach Wien (etliche davon, wie schon in den letzten fünf Jahren, sogar in Begleitung des jeweiligen Regisseurs). Dennoch wirkt das Programm heuer vergleichsweise mitteldurchwachsen: Erfreuliches (wie "Monsieur Ibrahim et les fleurs du Coran" mit Omar Sharif) wechselt mit Belanglosigkeiten (à la "France Boutique" von Tonie Marshall), Überraschendes (etwa die Dokumentation "Le Dossier B") mit wohlkalkulierten Art-House-Hits (Patrice Chéreaus neue Arbeit "Son frère"). Den einzig wirklich unnötigen Film des Festivals allerdings hat, wer am 11.3. nicht gleich zur Eröffnung ins Votivkino stürzt, bereits glücklich verpasst: die manierierte Tragikgroteske "Les invasions barbares" des Kanadiers Denys Arcand, die als "Bester nicht englischsprachiger Film" unlängst mit dem Oscar bedacht wurde.


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