SPIELPLAN

Kultur | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 11/04 vom 10.03.2004

Fernsehlustspielleiter Reinhard Schwabenitzky hat Robert Thomas' Boulevardkrimi "Acht Frauen" aus den frühen Sechzigerjahren inszeniert. Wer die Verfilmung von 2002 (mit sämtlichen Diven Frankreichs) gesehen hat, den wird das Ende des Stücks um acht Verdächtige und einen Toten in der Wiener Version nicht überraschen. Dass jede der acht Schauspielerinnen ein Chanson singen darf, kennt man ebenfalls aus der Verfilmung. In den Kammerspielen gehören die Songs der Damen zu den Höhepunkten des Abends. Ansonsten präsentiert man ein typisches Einraum-Drama mit viel Türengeklapper und teilweise argen Knallchargen-Nummern. Für eine Überraschung sorgt Elfi Eschke, die diesmal (fast) keine nackte Haut zeigen darf, sondern sehr energisch die verschrobene Jungfer gibt. Leider kann der Rest des Ensembles ihrem Tempo nicht ganz folgen - der Abend zieht sich. Aber vielleicht muss man sich in der Josefstadt-Filiale ja dem Lebenstempo seiner Hauptzielgruppe anpassen.

  Drei Frauen stehen im Mittelpunkt von "Fuga", einem Stück der Holländerin Suzanne van Lohuizen im Kosmos Theater (bis 13.3.). Das Ensemble Adhoc (Regie: Leo Krischke) zeigt das Drama um Verlassen und Verlassenwerden mit großer Ernsthaftigkeit, und da "Fuga" nicht nur als Drei-Schwestern-Konflikt, sondern auch als Geschichte über Persönlichkeitsstörungen gelesen werden soll, agieren die Akteurinnen in ähnlichem Outfit und ähnlichen Frisuren in einem Kunstschnee-Quadrat. Innere Monologe werden zu gebrüllten Dialogen, echte Dialoge verstummen in verbohrtem Schweigen. Echt hart. Man sollte sich "Fuga" nur anschauen, wenn man gut drauf ist. Sonst ist der nicht uninteressante Abend nämlich ein ziemlicher Runterzieher.


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