AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Martin Droschke | aus FALTER 11/04 vom 10.03.2004

Mit Lyrik ist heutzutage sicher kein Staat, wohl aber wieder Politik zu machen - engagierte Verse haben Konjunktur, was Jan Volker Röhnert, dessen Gedichte eine kritische Topografie seiner Heimat Thüringen entwerfen, zu unerwarteter Popularität verhalf: Im vorigen Jahr erhielt er den Lyrikdebütpreis des Literarischen Colloquiums. "Jetzt wächst Gras über die / Gleise", wo damals das Exekutionskommando "Belgier, Russen, Franzosen ...". Ohne Umschweife kommt der Jenaer zur Sache, führt mit seiner Poesie zu vergessenen Stätten der NS-Verbrechen, um dort über den toten Großvater nachzudenken und den "Burgruinenblues" anzustimmen. In seinem aufklärerischen Gestus spiegelt sich der in der jungen deutschen Szene dominierende Hang zur Agitation. Röhnert will viel. Und er will es sofort. Dafür riskiert er sogar, mit Versen wie dem oben zitierten in Allerweltsplattitüden abzugleiten.

  Im Gegensatz zu seinem 14 Jahre jüngeren Kollegen muss Norbert Hummelt in seinem Band "Stille Quellen"

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