VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 12/04 vom 17.03.2004

Was es alles zu berichten gab: Bei einer Bundesheer-Angelobung im Karl-Marx-Hof (das galt damals als Zeichen der Öffnung seitens des Bundesheers und als Zeichen der Provokation - Datum! - bei Linken) trat ein Staatspolizist einen Demonstranten in die Weichteile. Der Täter wurde mit Foto und immerhin abgekürztem Namen präsentiert. Er hatte den Demonstranten, der einen Knallkörper geworfen hatte, erst beamtshandelt, war später zurückgekehrt und hatte ihm schweigend sein Knie zwischen die Beine gerammt. Der behandelnde Arzt wollte das Attest nicht herausrücken, und der Misshandelte hatte angesichts seines "mächtig geschwollenen Eiersacks" andere Sorgen, als Augenzeugen einzusammeln. Also suchte der Falter Zeugen des Vorfalls. "Brutalo", so nannte Berichterstatter Werner Vogt den Täter, "hat sicher zwölf untadelige Zeugen, dass er schuldlos ist. Wahrscheinlich kann er gar nicht der Rammler sein, weil er keine Knie hat. Brutalo ist Stelzengeher. Das hebt ihn über die anderen Staatsbürger hinaus."

  "Brutalo" sah mit seinem Hut, seinem Mantel und seinem Schnurrbart übrigens eher aus wie ein Vizekanzler oder auch ein ausländischer Schriftsteller auf Milieusuche; man hätte ihn auch für einen Gemüsegroßhändler halten mögen. Jedenfalls erachtete es der Falter nicht für nötig, seine Identität zu schützen, wie er das heute selbstverständlich täte. Damals kam keine Klage; heute würden wir wahrscheinlich noch retrospektiv damit zugemüllt. So ändern sich die Zeiten. A. T.


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