FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 12/04 vom 17.03.2004

Jack Bauer, der Arme, hat wieder mal einen langen Tag. Böse Terroristen jagen, sich mit intriganten Kollegen rumschlagen, seine Tochter beschützen, dazwischen dauernd telefonieren - das kann dich fertig machen. Aber auch im zweiten Aufguss der Pseudoechtzeitserie "24" (ORF 1, Fr 21.15 Uhr) bleibt "Nicht ohne meine Familie" Hauptthema. Waren Agent Bauer und der nunmehrige US-Präsident David Palmer in Teil eins noch krampfhaft bemüht, ihre kaputten Familien zusammenzuhalten, damit sie weiter in ihrer gut eingespielten Angehörigenhölle hocken können, stürzen sie sich nun auf ihre Kinder. Die Gattinnen sind ja abhanden gekommen, Bauers ist tot, Palmers verstoßen, jetzt heißt es eben dauernd "Ich lass mir meine Tochter nicht nehmen" statt "Wir werden das schaffen, wir sind eine Familie". Abseits dessen gibt's wieder nur konventionelles Hochglanzfernsehen, das sich innovativ geben will. Keine Rede davon, dass "24" an Fernseh-Ausnahmeerscheinungen wie David Lynchs "Twin Peaks" anschließen kann. Wo dort das Grauen in den düsteren Wäldern lauert, unfassbar und absurd, hat das Böse bei Jack Bauer immer dieselbe klischeehafte Gestalt. Der Araber ist ein Fanatiker, die Geliebte schön, aber verräterisch.


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