Geißel des Fleisches

Kultur | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 12/04 vom 17.03.2004

HORRORFILM Im Gefolge einer werbewirksamen Kontroverse avanciert Mel Gibsons "Passion Christi" zum erfolgreichsten Kinoschocker aller Zeiten. Im Zeichen von Trauma, Machismo und Ressentiment wirken Wunden Wunder und werden Nägel zu Geld. 

Bei der "Passion Christi" scheint alles im Vorhinein bekannt zu sein - nicht zuletzt, wie's ausgeht (schlecht). Bei seinem Kinostart kommt dem Film die kulturelle Durchschlagskraft zweier "Vorlagen" zugute: die Werbewirkungen einer breitspurig und mittels Stereotypen geführten Kontroverse und die fast weltweite Sinnträchtigkeit der Story, die einem Bestseller der Weltliteratur entstammt. Vom Bekanntheitsgrad des Kreuzwegs, eines Bruchstücks aus dem Neuen Testament, zehrte das Kino schon vor hundert Jahren, als es sich vom reinen Spektakel zu einem Erzählmedium wandelte: Die stummen Tableaus früher Passionsspielfilme wären an sich unübersichtlich und unverständlich; für ein christliches Publikum jedoch, das die Story schon kannte, wurden die


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