SPIELPLAN

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 12/04 vom 17.03.2004

Zu den faszinierenden Merkwürdigkeiten im Theater gehört es, dass es oft nur minimale Mittel benötigt, um maximale Effekte zu erzielen. Jemand steht allein auf der Bühne, erzählt ins Blaue hinein Geschichten - schon sind wir süchtig und wollen weiter in diese seltsame Welt mitgenommen werden. Der junge britische Autor Dennis Kelly ist ein erstaunlich begabter Geschichtendealer, sein kleines Zweipersonenstück "Schutt" zeigt Bruder und Schwester, deren Familiensituation wohl eher triste zu nennen ist. Zum Glück haben sie ihre reiche Sprache und eine Fantasie, die aus Schutt Gold macht. "Schutt" ist ein modernes Großstadtmärchen: böse, romantisch und sehr ergreifend. Der Autor ist eine Entdeckung; mit modernen Mitteln und bösem Witz glaubt er noch an so etwas Altmodisches wie Geschichtenerzählen. Die vitale Inszenierung der Regieassistentin Sandra Schöddekopf kann sich auch sehen lassen. So fit war die Burgtheater-Abstellkammer Vestibül schon lange nicht mehr.

  Im Schauspielhaus stehen unter dem Titel "TermitenStädte" drei "urbane Monologe" auf dem Programm. Beim ersten Monolog lässt Autor und Darsteller Friedrich-Karl Praetorius den präpotenten Piefke raushängen und imaginiert Katastrophenszenarien in einer Hundestadt, schafft es aber nur in Ansätzen, so etwas wie Kommunikation mit dem Publikum zustande zu bringen. Noch hermetischer wird es im zweiten Teil. Martina Spitzer turnt auf Möbeln herum und sondert bedeutungsschwere Sätze ab. Auch eine Kunst: Slapstick der Bewegungen, aber niemand traut sich zu lachen, so verquast und verweht versucht Martina Winkel ihren Kunstanspruch hochzustemmen. Leider überhoben. Richtig geglückt ist hingegen der dritte Teil: Figurentheater vom Feinsten. Eine Sci-Fi-Puppenwelt, in der es ums Fressen und Gefressenwerden geht. Regisseur und Puppenbeweger Frank Soehnle kommt ganz ohne Worte aus - und zieht uns spielerisch leicht in eine unheimliche Welt hinein. So einfach könnte es sein.


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