KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 12/04 vom 17.03.2004

Wer Elisabeth von Samsonow kennt, weiß, dass die Professorin für Sakrale Kunst an der Akademie der bildenden Künste ein Faible für außergewöhnliche Textilien hat, die sie sammelt und auch selbst trägt. Für die Galerie nächst St. Stephan hat Samsonow jetzt die schöne Ausstellung "Kunst Stoff" (bis 24.4.) kuratiert, die Gegenwartskunst zusammen mit Textilantiquitäten zeigt. Textilkunst - früher neben Keramik die klassische Enklave von Künstlerinnen - hat in den Neunzigern ein Revival erlebt, das das Medium gänzlich von dem Mief altbackenen Handwerks befreite. Die deutsche Künstlerin Rosemarie Trockel bezog sich schon früh satirisch auf Klischees von "femininer" Kunst. Ihr witziger, knallroter Flokati in der Schau weist durch seine ungleich langen Fäden auf die Spannung zwischen industrieller und manueller Fertigung hin. Gada Ahmer bestickt eine Leinwand mit dem Bild einer nackten Frau, und Cosima von Bonin näht Herrentaschentücher zum skurrilen Tableau zusammen. Tiefer in die Bedeutungsgewebe führen Samsonows interessante Saaltexte, die das Verhältnis von Zeichen und Stoffen medientheoretisch aufbereiten.

  Auch Peter Kogler in der Galerie Mezzanin (bis 17.4.) bannt seine computergenerierten Muster auf Kunststoffvorhänge. In Bezug auf die Motive tut sich bei Kogler nicht viel Neues, es kommen nur neue Bildträger hinzu - diesmal schicke Glastische. Dafür funktioniert das Recycling alter Projekte sehr gut: Auf eine Wand der Galerie hat der unermüdliche Netzwerker eine große Collage mit vielen Schichten von Bildern, Ausstellungspostern usw. geklebt, die nichts von den glatten Computeroberflächen hat und gerade dadurch wieder reizvoll wird.


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