Ein 87-prozentiger Sitzer

Extra | HELMUT GOLLNER | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

REGULIERTES LEBEN Thomas Glavinic unterwirft seinen jüngsten Helden dem Regime von Lebensregeln und seine Sprache dem Konditionalsatz: "Wie man leben soll." 

Sein Generationskollege Vladimir Vertlib hält Thomas Glavinic "für den besten Stilisten überhaupt, den es in dieser Generation gibt". Und Glavinics vier bislang erschienene Bücher sind dazu angetan, dieses Urteil zu bestätigen. Der jüngste Roman ist jedenfalls wieder ein ästhetischer Handstreich. Erzählt wird das Leben von Charlie Kolostrum (das ist wohl: Koloss + Monstrum), der in den Achtzigerjahren pubertierte und in unseren Tagen erwachsen ist. Charlie lebt, "wie man leben soll". Also gibt es für ihn kein persönliches Fürwort (das "Ich" eines Ich-Erzählers oder das "Er" eines auktorialen Autors), sondern nur das unbestimmte Fürwort "man". Zudem erzählt der Roman dieses Leben in der haarsträubend inadäquaten Form von Lebensregeln; vor allem in der konditionalen Periode "Wenn - dann", die Erlebnisse und Verhalten


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