Schock im Schwimmbad

MARTIN DROSCHKE | Extra | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

HOLOCAUST In Magdalena Agdesteins Roman über eine Kindheit im Schatten von Mauthausen erfahren die Dimensionen des Leidens eine fragwürdige Verzerrung. 

Johanna, die Protagonistin aus "Nachlass", dem Romandebüt von Magdalena Agdestein, leidet an der Schuld, die die Vätergeneration auf sich geladen und nachher verdrängt und verleugnet hat. Moralisch skrupulös, gewiss, doch in ihrem Falle ist man geneigt zu sagen: Es wäre besser, würde sie etwas mehr Gefühlskälte an den Tag legen. Die Österreicherin, die seit langem in Norwegen zu Hause ist, hat sich so stark mit den Opfern der Konzentrationslager identifiziert, dass sie psychologischer Behandlung bedurfte. Mauthausen steht als Geburtsort in ihren Papieren. Ob ihre Eltern dort schon immer gewohnt haben, wird sie einmal von ihrem Chef gefragt. Und was sie eigentlich wisse von dem, was sich dort abgespielt hat. "Man riecht es doch, wenn Menschenfleisch verbrannt wird!" Johanna macht die Last der Erinnerung zu ihrem Auftrag: "nur

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