"Immer schon Scheiße"

STEFAN ENDER | Extra | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

JAMMERTAL ERDE In Sibylle Bergs neuem Roman watet die Heldin durch Angst, Anschläge und Seuchen, findet schlussendlich aber doch zu leisem Glück: "Ende gut." 

Das Buch, alles in allem natürlich: die große Kotze. Der Zentralsatz des Romans, der eigentlich der Zentralsatz aller Werke von Sibylle Berg ist, kommt ziemlich bald, im zweiten Kapitel: "Die Menschheit ist immer schon Scheiße gewesen." Gute 300 Seiten geht's dann unmunter weiter in diesem Tonfall. Hoffnungsfrohes gibt's bei Sibylle Berg nur in Spurenelementen. Wenn man die als Leser zu sich nimmt, ist man erst perplex und dann völlig überwältigt. Aber nur ganz kurz, denn danach ist eh gleich alles wieder ganz, ganz furchtbar.

  Inhalt: Eine Heldin jammert vor sich hin, in irgendeiner Wohnung, in irgendeiner Stadt in deutschen Landen. Alles in ihr und um sie herum: tot oder krank. Die Heldin, Alter: so um die vierzig, fühlt nichts bzw. gerade noch, dass sie nichts fühlt. Sie ist unglaublich einsam, seit Ewigkeiten schon.

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