Unter Geiern

PATRIK VOLF | Extra | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

EXJUGOSLAWIEN Slavenka Drakulic´ widmet sich dem Kriegsverbrechertribunal von Den Haag, philosophiert über Mira Markovic´s Frisur und endet mit einer bitteren Farce über Heimat. Ein Buch, das mehr ist, als es scheint. 

Fünf Monate verbrachte Slavenka Drakulic´ als Berichterstatterin am Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Sie protokollierte zehn Verfahren gegen Serben, gegen Kroaten, gegen Bosniaken, dokumentierte ihre Aussagen, lauschte Zeugen, sprach mit Bekannten, recherchierte ihre Biografien. Drakulic´ zeichnete die Morde, Folter, Vergewaltigungen nach. Sie hielt die Aussagen von Tätern und Opfern fest, beobachtete ihre Verhandlungen, analysierte Mimik, Gestik, dokumentierte Reue und Gleichgültigkeit. So weit zum Offensichtlichen, und allein dafür lohnt es sich, "Keiner war dabei" zu lesen.

  Doch Drakulic´s Buch ist mehr, als es vorgibt zu sein. Das zeigt sich nicht nur in einem wunderbaren, subtilen Doppelporträt von Slobodan MilosÇevi´c und seiner Frau Mira Markovi´c,

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