VERTREIBUNG UND VERNICHTUNG

Völkermord im 20. Jahrhundert

Extra | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

Für das politische Europa war der Zerfall Jugoslawiens ein Schock, von dem es sich bis heute nicht hat erholen können. Nur ein paar Autostunden von Österreich und Italien entfernt geschah, was man dank vierzig Jahren Pakt- und Unionspolitik auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs nur noch in Staaten der Dritten Welt für möglich hielt. Die Brutalität, mit der Serben, Kroaten, Bosnier, Kosovaren und schließlich Albaner ihre Gebiets-, Rechts- und Besitzansprüche mithilfe so genannter "ethnischer Säuberungen" durchsetzten, zeigte eine nie da gewesene Brutalität.

  Die systematische Vergewaltigung und Schwängerung muslimischer Frauen, so der Historiker Norman M. Naimark, stellte eine neue Qualität des Völkermordens im 20. Jahrhundert dar und hat, so das Schusswort seiner zeithistorischen Studie "Flammender Hass", für künftige Konflikte neue Maßstäbe des Grauens gesetzt. Naimark, Professor für Geschichte an der Stanford University, ist davon überzeugt, dass Bosnien nicht der


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