Augen aus Auschwitz

MARTINA GRÖSCHL | Extra | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

ZEITGESCHICHTE Die Wissenschaft rekonstruiert ihre NS-Vergangenheit, als verbrecherische Menschenversuche Teil ihrer inneren Logik waren. 

Der jüdisch-ungarische Pathologe Miklós Nyiszli war Häftlingsarzt in Auschwitz und dort dem Lagerarzt Josef Mengele unterstellt. Einmal musste er vier Zwillingspaare sezieren, drei von ihnen hatten verschiedenfarbige Augen. Danach sollte er sie nach Berlin-Dahlem schicken, wo sich das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik befand. Dessen Leiter, Otmar von Verschuer, war ein anerkannter Zwillingsforscher und Doktorvater von Josef Mengele; Institutsmitarbeiterin Karin Magnussen war auf Irisheterochromie spezialisiert. Die Zwillinge waren durch eine Injektion von Chloroform oder Phenol ins Herz getötet worden, berichtet Nyiszli. Am Institut will man im Nachhinein von nichts gewusst haben. Weder die ungewöhnliche Häufung von Zwillingen mit unterschiedlichen Augenfarben noch ihr nahezu zeitgleiches Ableben will

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