NS-FORSCHUNG

Agrarische Autarkie

Extra | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

In Auschwitz gab es eine agrarische Versuchsstation, die mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung zusammenarbeitete. Ziel war es, im Sinne der nationalsozialistischen Autarkiepolitik, Kautschukpflanzen für die Herstellung von Gummi zu züchten. Das "Gärtnerei- und Pflanzenzuchtkommando" befand sich etwas abseits vom Stammlager in Rajsko. Da dort die Überlebenschancen vergleichsweise gut waren, war die Versuchsstation bislang nur selten Gegenstand der historischen Auseinandersetzung. Das traf bis vor kurzem auch auf die Pflanzenzucht und Agrarwissenschaft im Nationalsozialismus zu, die trotz ihrer großen Bedeutung für das Autarkiekonzept ein Stiefkind der Forschung waren.

  Die Beiträge im Sammelband "Autarkie und Ostexpansion" sowie Susanne Heim in ihrer Monografie "Kalorien, Kautschuk, Karrieren" untersuchen nun den Boom einer Wissenschaft, der auch auf Kosten ihrer Eigenständigkeit ging. Und sie zeigen einen - wenn auch nicht repräsentativen - Teil von Auschwitz, in dem die Häftlinge saubere Kleidung, ausreichend zu essen und sogar ein kulturelles Leben hatten. M. G.

Susanne Heim (Hg.): Autarkie und Ostexpansion. Pflanzenzucht und Agrarforschung im Nationalsozialismus. Göttingen 2003 (Wallstein). 312 S., E 20,60

Susanne Heim: Kalorien, Kautschuk, Karrieren. Pflanzenzüchtung und landwirtschaftliche Forschung im Nationalsozialismus. Göttingen 2003 (Wallstein). 280 S., E 24,70


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige