Ein paradoxes Leben

SIEGFRIED MATTL | Extra | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

ZEITGESCHICHTE Anhand der Biografie von Mussolinis Geliebter Margherita Sarfatti versucht die Politologin Karin Wieland, die Geschichte Italiens im frühen 20. Jahrhundert zu rekonstruieren. 

Am 30. Oktober 1961 endet in einem Landhaus in der Nähe von Como das exemplarische Leben der Margherita Sarfatti. In ihrer Biografie - Tochter einer begüterten jüdischen Familie aus Venedig, Salon-Sozialistin, Journalistin, faschistische Kunstpolitikerin und zuletzt Vertriebene und Verfemte - trafen sich die Bruchlinien des 20. Jahrhunderts: Staatsterrorismus, eliminatorischer Rassismus, Geschlechterkonflikte und das Ende der Kunstutopien.

  Als Mentorin der Futuristen, die sie ab 1909 im sozialistischen Avanti! publizistisch fördert, führt sie deren kulturelles Kapital nach dem Krieg der faschistischen Bewegung zu; als Bildungsbürgerin erzieht sie ihren proletarischen Geliebten Benito Mussolini zum hybriden Soldaten-Dandy um und führt ihn in die bürgerliche Gesellschaft ein; als Staatsbeauftragte

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