UMWELTGESCHICHTE

Die Alpen

Extra | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

Während die Umweltgeschichte an einigen US-Universitäten seit den Siebzigerjahren regelrecht aufgeblüht ist und auch in Großbritannien im Schatten von Geografie-, Medizin- und Technikgeschichte redlich gedieh, hat das Fach im deutschsprachigen Raum vergleichsweise wenig Wurzeln geschlagen. Auf Abhilfe sinnt die von Wolfram Siemann herausgegebene Einführung in die Grundfragen der "Umweltgeschichte", doch die Breite und Vielfalt der Ansätze und Themen ist darin nur angedeutet.

  Längst ein Standardwerk ist Werner Bätzings "Die Alpen", das nun in überarbeiteter Neufassung vorliegt. Bätzing zeigt die großen Unterschiede zwischen den historisch stärker bevölkerten, von Acker- und Weinbau geprägten Süd- und Westalpen und den stärker bewaldeten Nord- und Ostalpen, wo Viehwirtschaft vorherrscht. In den Alpen entstanden zwar sehr unterschiedliche Formen der Bewirtschaftung, jedoch nahezu keine großen Höfe, die von der Industrialisierung und den modernen Agrarförderungen hätten profitieren können.

  So büßten weite Teile der Alpen seit dem späten 19. Jahrhundert Wirtschaftskraft und Bevölkerung ein. Der Trend hat sich dort umgekehrt, wo der Fremdenverkehr blüht, sowie in den sich ausweitenden Einzugsbereichen von Städten wie München, Innsbruck oder Grenoble. Bätzing kommt zwar an die Sprachkraft eines John McNeill nicht heran, doch lehrreich und anschaulich ist sein weit über hundert Karten, Tabellen und Fotos fassendes Buch allemal.

S. L.

Wolfram Siemann (Hg.): Umweltgeschichte. Themen und Perspektiven. München 2003 (C.H. Beck). 206 S., E 13,30

Werner Bätzing: Die Alpen. Geschichte und Zukunft einer europäischen Kulturlandschaft. München 2003 (C.H. Beck). 431 S., E 35,50


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