Freuden der Differenzierung

LEOPOLD FEDERMAIR | Extra | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

PHILOSOPHIE Der Philosoph Gilles Deleuze hat dunkle theoretische Bücher wie "Anti-Ödipus" oder "Mille Plateaux" hinterlassen, die nun durch einen Band mit Gesprächen und Kurztexten erhellt werden. 

Ähnlich wie im Fall seines Freundes Michel Foucault, der gut ein Jahrzehnt vor ihm gestorben war, erscheinen auch von Gilles Deleuze (1925-1995) posthume Bände mit kleineren Schriften und Gesprächen. In beiden Fällen steckt in diesen kürzeren Texten eine Fülle an Material zum besseren Verständnis ihrer nicht immer ganz transparenten theoretischen Hauptwerke. Der erste der beiden Deleuze-Bände erschien kürzlich unter dem Titel "Die einsame Insel" auf Deutsch.

  Deleuze war kein frühreifer Denker. Nach Büchern über Kant, Nietzsche und Proust erschien erst 1969 das umfangreiche Traktat über Differenz und Wiederholung, das ihn als Emphatiker der Differenzierung und als Feind aller Dualismen zeigt. Das Buch, das ihn und seinen Mitautor Félix Guattari weit über den Bereich der französischen

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