BLACK STUDIES

Schwarzbrot rules!

Extra | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

Du Bois ist auch im Sammelband "Black Beats" präsent: mit einem Aufsatz und mit Fotoserien wie den Porträts "Schwarze Frauen", die der Soziologe bei der Pariser Weltausstellung 1900 präsentiert hat. Das schmale Buch bietet einen komprimierten Querschnitt durch kanonische Texte der Black Studies, enthält aber auch Reden und Interviews. Parallel zu den chronologisch kompilierten Originaltexten stellt der Mitherausgeber Max Annas in einem Überblicksartikel afroamerikanische Geschichte von "Afrika vor der ersten Invasion" bis zu "Post Soul" dar.

  Am Anfang steht ein Interview mit Malcolm X von 1963. Noch ganz im fanatischen Sinn der "Black Muslims" spricht der Antagonist von Martin Luther King darin über den weißen Mann als Teufel. Malcolm X erzählt in dem Gespräch, dass seine Großmutter von einem Weißen vergewaltigt und sein politisch engagierter Vater vom Ku-Klux-Klan gelyncht worden sei. Dann führt er wieder in einer absurden Passage die Kraft spendende Wirkung von Schwarzbrot und schwarzem Kaffee als Beweis für die Überlegenheit seiner Rasse an. Spannend gestalten sich die zahlreichen Texte von Frauen. Die Bandbreite reicht dabei von Ida B. Wells Rede "Über das Lynchen" von 1909 über Angela Davis' Analyse "Der Mythos vom schwarzen Vergewaltiger" (1981) bis zu feministischen Texten von Alice Walker und bell hooks.

  So wie "Die Seelen der Schwarzen" ist auch "Black Beats" eine höchst informative Mischung aus Theorie, Soziologie und Literatur. Die beiden Bücher füllen damit eine Lücke, die am deutschsprachigen Buchmarkt hinsichtlich afroamerikanischer Politik immer noch herrscht - und machen definitiv Lust auf mehr. N. S.

Max Annas/Martin Baltes (Hg.): Black Beats. Freiburg i.Br. 2003 (orange-press). 224 S., E 15,50


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