VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

Das musste eines Tages kommen, und wir ersparen es weder ihm noch uns. Hans Hurch, damals Filmkritiker des Falter, heute Leiter des Filmfestivals "Viennale", setzte sich mit ebendieser Viennale auseinander. Der Zeitpunkt scheint Ihnen merkwürdig? Nun, die Viennale war gerade vom Herbsttermin in den Vorfrühling übersiedelt; allerdings offenbar, ohne neue Blüten zu treiben.

  Falter-Kritiker Hurch konstatierte trocken: "Wie an vielen anderen von dieser Stadt inszenierten Kulturveranstaltungen erweist sich auch an der Viennale jener deutliche Mangel an Radikalität und Konsequenz, der von einem Denken herrührt, dessen vorrangige Kriterien die des Presseerfolgs und der Besucherzahlen sind. Anstatt sich mit Arbeiten und Richtungen zu befassen, die in Wahrheit die Aufmerksamkeit und Teilnahme des filminteressierten Publikums verdient hätten, betreibt die Viennale in dieser an Filmkultur ohnehin nicht gerade reichen Kommune eine Politik der Zugeständnisse und Halbheiten."

  Wem das zu allgemein scheinen mochte, dem wurde verdeutlicht: "Und, es mag kleinlich erscheinen, sich daran zu stoßen, aber einem Film wie ,Atemnot' von Käthe Kratz, der mit Gewissheit ein ebenso mediokres Produkt darstellen wird, wie nahezu alles, was der österreichische Film bisher geleistet hat, einen der Hauptabendtermine am Abend einzuräumen und zugleich Chris Markers "Sans Soleil" als Informationsvorstellung am frühen Nachmittag anzusetzen, beweist einmal mehr, dass es hier nicht um die Qualität des Gezeigten gehen kann, sondern um Halbheiten und Zugeständnisse."

  Es wäre aber nicht Hurch, hätte er nicht ein versöhnliches Wort zum Schluss bereit: "Doch es wäre ungerecht und leichtfertig, der Viennale (...) ihre Berechtigung rundweg abzusprechen. Vielleicht gibt es neben und zwischen Jean-Luc Godards "Prenom carmen" und Alfred Hitchcocks "Rear Window" noch die eine oder andere Entdeckung zu machen. Denn Kino hat, darin der Liebe ähnlich, immer auch mit Verschwendung und Überraschung zu tun." A.T.


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