Der Tod, der geliebte

Politik | ROBERT MISIK | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

Extremismus Wie der Dschihadismus zu einer Terrorreligion wurde, die vom Triumph des Todes über das Leben träumt. Eine kurze Kulturgeschichte der El Kaida. 

Ihr liebt das Leben, und wir lieben den Tod." In dem Schlüsselsatz des "Militärsprechers für Europa" der El Kaida steckt die Wahrheit des Dschihadismus. Der Satz ist nicht neu. Er wurde in den vergangenen zweieinhalb Jahren oft wiederholt, auf Audiokassetten, Videos, per E-Mails der El Kaida und der ihr angeschlossenen Gruppen. Er ist zu der Erbauungsparole des radikalen Islamismus geworden. In ihr kommt ein exzentrischer Todeskult zum Ausdruck. Wenn nicht alles täuscht, markiert diese Feier von Tod, Massaker, Schrecken die Verwandlung des Dschihadismus von einer extrem religiösen, aber doch noch auf weltliche Ziele orientierten Kraft zu einer Todessekte. Gewiss gab es immer schon im islamistischen Lager diese aus dem Koran abgeleitete heroische Überhöhung von Todesverachtung und die Bereitschaft, zum "Shahid", zum Märtyrer


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