Der Reiz der Haltung

Kultur | CARSTEN FASTNER | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

MUSIK Der Wiener Pianist Till Fellner hat Bachs "Wohltemperiertes Klavier" eingespielt - und scheint dahinter beinahe zu verschwinden. 

Till Fellner ist ein ernsthafter junger Mann mit dem Charme eines notorischen, aber durchaus nicht unsympathischen Klassenbesten. Zum braven Seitenscheitel trägt er bevorzugt kleinkarierte Sakkos, er spricht ruhig und besonnen, bringt seine Ansichten wohl überlegt, ausgewogen und gut formuliert zum Ausdruck - und wirkt dennoch stets ein bisschen schüchtern. Grund für solch ostentative Bescheidenheit hätte er wenig: Der 1972 geborene Wiener ist einer der international meist beachteten Pianisten der jüngeren Generation; 1993 gelang es ihm als erstem Österreicher, den hochrenommierten Concours Clara Haskil im Schweizer Vevey für sich zu entscheiden, und seitdem lässt ihn die Fachwelt während seiner ausgiebigen Konzerttourneen nicht mehr aus den Augen.

  Im Wiener Jugendstiltheater hat Fellner nun für das Münchner Label ECM eines der anspruchvollsten


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