Schwach matt

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

THEATER Die Josefstadt in Nachthemd und Pudelmütze: "Der eingebildete Kranke" leidet unter Lethargie und Schmiere. 

Molière hat sich in seinem Lustspiel "Der eingebildete Kranke" kein Blatt vor den Mund genommen, genüsslich lässt er sein Stück mit einer feinen Fäkalaufzählung beginnen: Von "heilsamer Medizin zur Beschleunigung des Stuhlgangs" bis zu "Blähungen" und "Ingredienzien zur Ausfegung, Spülung und Säuberung des Unterleibs" ist die Rede. Wäre man bösartig, könnte man sagen, das Stück sei wie maßgeschneidert für das in die Jahre gekommene Publikum des Theaters in der Josefstadt, das einige der Wehwehchen, die den hypochondrischen Argan auf der Bühne plagen, womöglich aus dem eigenen Alltag kennt.

  Die Wartezimmeratmosphäre unterstützt Otto Schenk als Hypochonder, indem er zu Beginn auf einem schäbigen Leibstuhl thront und geizig seine Arztrechnung ausbreitet. Schenk spielt einen, der nicht wirklich krank ist, aber gerne gewohnheitsmäßig über sich redet.


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