AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

Wer intelligente gegenwartsrelevante Bücher bevorzugt, informiert sich in der Buchhandlung traditionell nach den neuen Titeln von Wagenbach. Als Klaus Wagenbach 1964 sein Konzept des Verlegens "nach bestem Wissen und Gewissen" realisierte, schuf er das, was man in der Ökonomie eine Marke nennt: Qualität + homogenes Produktprogramm + Corporate Identity = hoher Vertrauens- und Wiedererkennungsfaktor = langfristige Leserbindung. Das war damals so neu wie die Idee von einer antiautoritären Gesellschaft, die Wagenbach in eine literarisch wertvolle Form gießen wollte: "Freier als gesetzlich vorgeschrieben, liberaler als die Polizei erlaubt", formulierte er 1979 sein Credo; das fände er nämlich "viel lustiger", als dem Kommerz zu dienen. Freilich: Beschlagnahmungen gibt es im Hause Wagenbach schon lange nicht mehr, denn statt für Sympathie mit der RAF wirbt man heute lieber für die meditative Kraft der Toskana - oder lädt zu einem Bummel durch "Wien" ein: mit Robert Menasse über den


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige