Fragen Sie Frau Andrea

Katzelmacher

Stadtleben | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

Liebe Frau Andrea,

meine Kollegen und ich rätseln seit längerem, was das Wort "Katzelmacher" tatsächlich bedeutet. Die einen glauben, dass es von den Pflastersteinen (Katzeln) kommt, die Italiener im letzten Jahrhundert in wunderbaren Mustern in Wien verlegt haben, die anderen meinen, es kommt von den "Katzltaschen", Geldtaschen, die aus Leder gefertigt, durch italienische Handwerker in unseren Landen Verbreitung gefunden

haben. Können Sie Licht ins Dunkel bringen? Mit freundlichen Grüßen, Ronald Packert

Lieber Ronald,

gerne zünde ich einen ganzen Antwortluster für Sie an. Cinephilen wird bei "Katzelmacher" Rainer Werner Fassbinders zweiter Spielfilm aus dem Jahr 1969 einfallen, eine karge Klage gegen das xenophobe Ressentiment einer unfreien Gesellschaft. Der Ausdruck selbst ist eine im bayerisch-österreichischen Raum gebräuchliche Kollektivschelte für südländische, vorrangig italienische Gastarbeiter. Es mag sein, dass Italiener mit ästhetischem Talent Wiener Pflastersteine verlegt haben und dabei das eine oder andere Katzel gemacht haben. Auch eine Ableitung vom italienischen Schimpf- und Tabuwort "cazzo" für Penis ist denkbar. Einleuchtender ist jene Theorie, die "Katzelmacher" von "Kesselmacher" ableitet. Das mittelhochdeutsche Kezzel hat auch ins Wort Gatzel für (hölzerne) Schöpfkelle gefunden. Hausierende ladinische Gatzelschnitzer oder "Gatzelmacher" mögen dem Ausdruck den endgültigen Schliff gegeben haben.

"Fragen Sie Frau Andrea" gibt es auch als Buch! dusl@falter.at


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