Es brennt ein Licht

Stadtleben | WOLFGANG PATERNO | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

ALLTAGSKULTUR Wiens gastronomische Trias besteht aus Kaffeehaus, Heurigem und Wirtshaus. Traditionellerweise sitzen im Kaffeehaus, der ersten Säule sorgsam gepflegten Wienertums, Dichter, Denker und Touristen, beim Heurigen eher nur Touristen. Und was ist mit dem Wirtshaus? Annäherungen an eine ebenso seltsame wie einmalige Institution. 

Es röhrt der Hirsch, es singt die Maid, es ist, mitten in der Weltstadt Wien, wie im Heimatfilm. Der Geistliche mit dem über den Gürtel quellenden Bauch sperrt die Kirche mit einem großen Schlüssel zu, er quert den Platz, ein mildes Kirchgangslächeln im Gesicht, am Sakko staubige Spuren von Mauerwerk. Pater Paulus, das Barett ist für den Kopf zu klein, bleibt vor dem Gotteshaus stehen, er schaut nach rechts, er sieht Kopfsteinpflaster und altes Gemäuer, er schaut nach links, er sieht die Gastwirtschaft. Ob er denn, fragt entlang kommendes Kirchenvolk, diese anstrebe? Ob er denn Ruhepause mache im Spatzennest? Mittagszeit auf dem Sankt-Ulrichs-Platz,

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