PHETTBERGS PREDIGTDIENST

Der Schweiß und der Bluthund

Stadtleben | aus FALTER 13/04 vom 24.03.2004

So spricht der Herr, der einen Weg durchs Meer bahnt, einen Pfad durch das gewaltige Wasser, der Wagen und Rosse ausziehen lässt, zusammen mit einem mächtigen Heer; doch sie liegen am Boden und sehen nicht mehr auf ... Die wilden Tiere werden mich preisen ... denn ich lasse in der Steppe Wasser fließen und Ströme in der Wüste ...

Jes 43,16-21 (1. Lesung am 5. Fastensonntag eines Lesejahres C)

Immer wenn der Vorsitzende des Filmvereins auf mich zukommt, weiß ich, er wird mir absichtlich kein Honorar überweisen, weil er mich dazu erziehen will, dass ich mein Honorar bei ihm moniere. Das durchschaue ich und esse lieber meinen Fensterkitt, anstatt zu gehorchen. Denn ich möchte mich nicht eingemeinden lassen in die übliche Maschinerie, sondern kämpfe für die Idee des Nichtforderns, des Einfühlens. Die Vollversammlung aller Phettbergpädagogisierenden tagt währenddessen finster entschlossen, mich zurückzuzerren in das derzeit Übliche. Sie nennen das gesund. Wie gesund die jeweils bestanden habende Welt auch immer gewesen war, die meine war sie nie gewesen. Und auch heute widert sie mich an. Vor allem wenn ich merke, wie diese mich innehabende Versammlung beisammensitzt und beschließt, mir nichts zu geben, solange ich nichts fordere, treibt sie mich dorthin, nichts zu fordern. Sie sitzen beisammen und lachen sich ins Fäustchen, wie sehr krank ich auch immer sein mag in ihren Augen, mich zu heilen, indem sie so lange nichts zahlen, bis ich komme, und lachen sich ins Fäustchen, wie klug sie doch sind in ihrer Vollversammeltheit.

  Jetzt sind Schweiß und Bluthund beide männlichen Geschlechts. Nämlich der in seinem Unbewussten hochintelligente Bluthund, also dieses Unbewusste, analysiert messerscharf, dass im Angstschweiß des nun bald zu beißenden Gegenübers durchaus ein massiver Vorwurf an ihn, den Bluthund, steckt: Du Bluthund bist so scharf, während ich so wässern ausgestattet bin. Des Bluthunds Tiefe weiß genau, dass viel Schweiß auf die Dauer auch ganze Gewänder zerfetzen kann. Und erst wo er herkommt, der Schweiß, steckt ein gewaltiger Vorwurf an ihn, nämlich so bluthündisch zu sein. Also der massive Angriff: Du bist so stark, ich bin so schwach. Und das empfindet der Hund da unten als massive Aggression. Und darum beißt der Bluthund den Angstschweiß.

Die ungekürzte Version des "Predigtdienstes" ist über www.falter.at zu abonnieren.


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