STANDPUNKT

Au ohne Grüne

Politik | aus FALTER 14/04 vom 31.03.2004

Wo liegt Hainburg? Dort, wo die Grünen schon lange nicht mehr sind. Vor zwanzig Jahren marschierten die Pioniere der Ökopartei noch mit selbst gestrickten Wollmützen und Schlabberpullis in die Auwälder, um Bruder Baum vor dem Kettensägenmassaker der roten Technokraten zu schützen. Zwanzig Jahre später sehen Umweltschützer die Au wieder einmal in Gefahr. Wenn alles so kommt, wie im Verkehrsministerium geplant, wird die Donau beim Nationalpark bald tiefer gegraben. Das Match um die Au tragen aber Umweltschützer und Minister ganz alleine aus. Von den Grünen ist diesmal nichts zu sehen. Die Wiener Landespartei kämpft zwar auf Gemeindeebene brav gegen die Lobauautobahn, und die Nationalratsabgeordnete Eva Lichtenberger hat zumindest kurz gemurrt. Mehr aber nicht. Dabei wäre gerade das nationale Heiligtum Hainburger Au ein aufgelegter Elfer für eine Ökopartei. Den Grünen sollte ihre Geburtsstätte ein besonderes Anliegen sein. Dafür müssten sie nicht mal die Gummistiefel aus dem Schrank holen und im Wald campieren, sondern einfach nur die Au zum politischen Thema machen. Und jetzt nicht behaupten, wer nicht in der Regierung ist, hat nichts zu sagen. Denn die ersten Grünen, die damals die Au retteten, saßen noch nicht einmal im Parlament. Erreicht haben sie trotzdem viel. N. H.


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