Kommentar

Kanon-Debatte: Die Lust an der Liste

Kultur | WolfGANG KRALICEK | aus FALTER 14/04 vom 31.03.2004

Im Filmmuseum widmet sich ein internationales Symposion der "Kanonisierung" im Kino (siehe dazu auch den Artikel auf Seite 68). Das profil covert aus diesem Anlass mit "Die 50 besten Filme aller Zeiten". In der Süddeutschen Zeitung ist am Samstag eine Streichliste mit "44 Dingen, die wir nie wieder auf einer Theaterbühne sehen möchten", erschienen. Und am Sonntag bat mich ein Freund per SMS, ihm meine drei "Schlüsselbücher" zu nennen.

Man sieht schon: Das Listenwesen ist nicht nur unter Cinephilen weit verbreitet. Alle paar Jahre brandet die Debatte um den "Literaturkanon" aufs Neue auf; die Musikredaktionen der Welt scheinen hauptsächlich damit beschäftigt zu sein, die endgültigen Rankings der zehn, hundert, tausend besten Platten des Monats, des Jahres, aller Zeiten zu erstellen; für das Berliner Theatertreffen werden alljährlich die zehn "bemerkenswertesten" Inszenierungen des deutschen Sprachraums ausgewählt, und so weiter.

Die Lust an der Liste hängt paradoxerweise zunächst


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige