SPIELPLAN

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 14/04 vom 31.03.2004

Das 1971 uraufgeführte Stück "Bremer Freiheit" von Rainer Werner Fassbinder funktioniert nach der simplen Dramaturgie der "Zehn kleinen Negerlein" - nur dass die Mörderin von vornherein feststeht: Geesche Gottfried, die nach historischem Vorbild gestaltete Heldin, mischt im Verlauf des Stücks insgesamt acht Menschen Gift in den Kaffee. Der bittere, wenn auch etwas redundante Witz des Stücks besteht darin, dass Geesches Serienmorde als einzige Chance gezeigt werden, als Frau im 19. Jahrhundert ein selbstbestimmtes Leben zu führen: Emanzipation brutal. Die Inszenierung von Bruno Max in der Scala (bis 8.4.) kommt ähnlich holzschnittartig daher wie der Text, Monika Pallua spielt überzeugend eine Frau, die aus Lebensgier Leben nimmt. Nur die nervende Musikerin, die zwischen den Szenen Akkordeon spielt, wird leider nicht zum Kaffee eingeladen.

  Der Burgtheater-Bayer Robert Meyer hat sich zu seinem dreißigsten Bühnenjubiläum einen Nestroy-Abend geschenkt: "Zettelträger Papp oder Meine Frau hat eine Grille" versammelt das titelgebende Frühwerk "Zettelträger Papp", den selten gespielten Einakter "Der gebildete Hausknecht" und das populäre Spätwerk "Frühere Verhältnisse". Der Regisseur Meyer überrascht mit zeitgenössischem Bühnenbild (Christoff Wiesinger), moderner Musik (Otmar Klein) und liebevollen Details; der Schauspieler Meyer ist bekanntlich ein fähiger Nestroy-Darsteller. An diesem Abend wird ihm dennoch die Show gestohlen: Branko Samarovski ist als eingebildeter Frauenheld ebenso entzückend wie als zu Reichtum gekommener Exknecht, der im Herzen immer noch Domestik ist. Es hat im Burgtheater schon fadere Nestroy-Aufführungen gegeben.


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