STREIFENWEISE

Kultur | D. ROBNIK / M. OMASTA | aus FALTER 14/04 vom 31.03.2004

Als Zeichentrick und mit den Stimmen von Horst Tappert und Fritz Wepper verkultet "Derrick - Die Pflicht ruft" pflichtgemäß den zwischen 1975 und 1998 tätigen Münchner Fernsehinspektor. A gmahte Wiesn fürs Recycling: Man hätte den Tonfall der Serie, ihre Sorge über Frühformen flexibilisierten Lebens und zugleich das, was uns heute von Derricks disziplinarischer Melancholie trennt, nachempfinden können. Was hätten wir da gelacht, froh und stolz, Derrick so sehr hinter uns zu haben, dass wir ihn per Hetz wieder-holen können. Auch wäre, im Sinne bayrischer Genreumwertung zwischen Fassbinder und Bully Herbig, radikale Erotisierung des Dienstverhältnisses von Stephan Derrick und Harry Klein nahe gelegen. Solche Chancen wurden versäumt, ebenso der retrotrendtechnisch günstige Zeitpunkt für Derricks Kinodebüt. Weil die Synergieformel hier Verkultung von gleich zwei altgedienten TV-Institutionen vorgibt, wird hinter den Kulissen des Song-Contests ermittelt und in planlos grellen Cartoons über Popstars gemotzt. Retrohumor kann Leben verlängern, Derricks und unseres: die 78 Minuten Laufzeit des Films fühlen sich deutlich länger an.

  Kurzweilig hingegen, sogar kultverdächtig, ist Benoît Jacquots genuin filmische "Tosca" nach der Oper von Giacomo Puccini. Ein überraschender, mit intelligent eingesetzten technischen Irritationen (Video, Schwarzweiß) arbeitender Klassikthriller mit Angela Gheorghiu, Robert Alagna und Ruggero Raimondi, der seine wunderbare Bösewichtvisage vor gut dreißig Jahren auch schon dem ersten interessanten Spross des Opernfilmgenres lieh (Joseph Loseys "Don Giovanni"). Große Oper, großer Film, großes Kino: als Alleinaufführung im Gartenbau.


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