KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 14/04 vom 31.03.2004

Es ist noch nicht lange her, da fuhr man nach Bratislava, um billig Filme oder Farben zu kaufen. Bald wird es auch dort nichts mehr günstiger geben. Anlässlich der EU-Erweiterung sollen die neuen Beitrittsländer dafür jetzt kulturell entdeckt werden. Zum Beispiel in der Bawag Foundation, die in der Ausstellung "Eintritt frei. Kunst aus Bratislava, Budapest, Ljubljana, Prag und Wien" (bis 19.6.) künstlerische Positionen aus denjenigen Städten anbietet, in denen die Bawag Zweigstellen hat. Wenn Unternehmen ihre scheinbar selbstständigen Kulturbetriebe für direkte Repräsentationszwecke nützen, hat das immer eine peinliche Note. Der PR-Eingriff wird hier weniger in der interessanten Ausstellung selbst deutlich als an der schäbigen Begleitpublikation, die in einem Kundenmagazin untergebracht wurde. Auch der Titel "Eintritt frei" stellt angesichts der langen Übergangsfristen, die den neuen Beitrittsländern in Bezug auf Arbeit und Migration auferlegt wurden, eine Beschönigung dar.

  Gut passt in die Schau daher die raunzende Skulptur "I am sick of it all", ein sprechendes Billa-Sackerl des Prager Künstlers KrisÇtof Kintera. Für einen subtileren Humor stehen die Bilder von Julius Koller: Diese "Anti-Pictures", wie der 1939 geborene Slowake eine der Arbeiten nennt, lassen an Duchamp und Broodthaers denken. Verpassen sollte man auch nicht das "Tragbare Museum" im Keller der Bawag Foundation, eine Installation, die in Versatzstücken an ungarische Pop-Art, Konzept- und Aktionskunst von 1956 bis 1976 erinnert. Der Wiener Künstler Marcus Geiger ging für die Schau noch ein letztes Mal billig "ostshoppen": Der notorische Untertreiber hat das Foyer des Kunstraumes mit Kübeln weißer Dispersionsfarbe verstellt.


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